Intraoralscanner statt Zahnabdruck: Vorteile, Grenzen und mögliche Kosten
Nie wieder Abdruckmasse im Mund? Intraoralscanner können Zähne heute digital erfassen – doch ist der digitale Zahnabdruck wirklich genauso zuverlässig?
Die digitale Abformung gehört inzwischen zu den etablierten Entwicklungen moderner Zahnmedizin.
Im März 2026 wurde erstmals eine eigene S2k-Leitlinie zum Intraoralscan in der Zahnmedizin veröffentlicht.
Sie fasst den aktuellen Wissensstand zu technischen Grundlagen und Einsatzgebieten zusammen und gibt Zahnärzten konkrete Handlungsempfehlungen.
Für Patienten ist vor allem eine Botschaft interessant:
Der Intraoralscanner kann den klassischen Abdruck bei vielen Anwendungen ersetzen – aber nicht jede klinische Situation ist digital automatisch einfacher oder genauer.
Was ist ein Intraoralscanner?
Ein Intraoralscanner ist eine kleine optische Aufnahmeeinheit, die der Zahnarzt beziehungsweise das Praxisteam durch den Mund führt.
Dabei werden sehr viele Bild- beziehungsweise Messdaten erfasst.
Eine Software setzt diese Informationen anschließend zu einem dreidimensionalen digitalen Modell der Zahn- und Mundsituation zusammen.
Was ersetzt der Scanner?
Traditionell werden Zähne beispielsweise mit einer Abdruckmasse und einem Abdrucklöffel abgeformt.
Aus diesem Abdruck kann anschließend ein Modell hergestellt werden.
Beim digitalen Workflow entsteht stattdessen direkt ein digitaler Datensatz.
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Warum mögen viele Patienten den Scanner lieber?
Einer der größten Vorteile liegt in der Patientenakzeptanz.
Gerade Menschen mit:
- starkem Würgereiz,
- Angst vor Abdrucklöffeln oder
- unangenehmen Erfahrungen mit Abdruckmaterial
empfinden einen digitalen Scan häufig als angenehmer.
Die KZBV hebt die höhere Patientenakzeptanz ausdrücklich als einen Vorteil des Intraoralscans hervor.
Wie lange dauert ein Intraoralscan?
Das hängt von:
- Umfang des zu erfassenden Bereichs,
- Zahnstatus,
- verwendetem Gerät und
- Erfahrung des Anwenders
ab.
Ein kleiner Bereich kann schnell erfasst werden, während ein vollständiger Kiefer oder komplexe Implantatsituationen aufwendiger sind.
Was passiert, wenn ein Bereich schlecht gescannt wurde?
Das ist ein großer praktischer Vorteil digitaler Verfahren.
Fehlt an einer Stelle eine ausreichende Information, kann häufig gezielt nur dieser Bereich erneut erfasst werden.
Bei einem klassischen fehlerhaften Abdruck kann dagegen gegebenenfalls die gesamte Abformung wiederholt werden müssen.
Kann ich meine Zähne auf dem Bildschirm sehen?
Ja.
Das digitale Modell kann direkt auf einem Bildschirm dargestellt werden.
Dadurch kann der Zahnarzt beispielsweise:
- Zahnformen zeigen,
- Präparationen erklären,
- bestimmte Behandlungsbereiche markieren und
- die geplante Versorgung anschaulicher erläutern.
Was passiert mit den Daten?
Die digitalen Daten können in weitere Behandlungsschritte übernommen werden.
Zum Beispiel für:
Damit ist der Intraoralscan häufig der erste Schritt eines vollständig digitalen Workflows.
Ist der digitale Abdruck genauso präzise?
Die Antwort hängt von der Anwendung ab.
Für viele zahnbegrenzte Einzelversorgungen und kleinere Bereiche sind digitale Scans inzwischen sehr gut etabliert.
Mit zunehmender Scanstrecke und komplexeren Situationen können jedoch zusätzliche Fehlerquellen entstehen.
Genau deshalb ist die neue Leitlinie wichtig: Sie versucht nicht, „digital immer besser“ zu behaupten, sondern definiert Rahmenbedingungen für einen fachgerechten Einsatz.
Warum kann eine große Scanstrecke schwieriger sein?
Ein Scanner erfasst nicht den gesamten Kiefer in einem einzigen Bild.
Viele Teilinformationen werden softwareseitig zusammengesetzt.
Je größer der Bereich wird, desto anspruchsvoller kann diese Zusammenführung sein.
Was ist bei zahnlosen Kiefern?
Zahnlose Bereiche können technisch anspruchsvoller sein, weil markante geometrische Strukturen fehlen, an denen die Software aufeinanderfolgende Aufnahmen eindeutig ausrichten kann.
Welche Methode hier sinnvoll ist, hängt vom konkreten Versorgungskonzept und der eingesetzten Technik ab.
Was ist bei Implantaten?
Bei Implantatversorgungen werden spezielle Scanmarker eingesetzt, damit die digitale Lage eines Implantats beziehungsweise Implantataufbaus erfasst werden kann.
Bei einzelnen Implantaten kann ein digitaler Workflow besonders attraktiv sein.
Bei großen implantatgetragenen Konstruktionen steigen wiederum die Anforderungen an die Genauigkeit.
Kann damit eine Krone ohne klassischen Abdruck hergestellt werden?
Ja.
Ein typischer digitaler Ablauf kann so aussehen:
- Zahn wird präpariert.
- Intraoralscanner erfasst den Zahn.
- Datensatz wird digital verarbeitet.
- Krone wird am Computer konstruiert.
- Herstellung erfolgt im Labor oder direkt in der Praxis.
Kann die Krone sogar am selben Tag fertig sein?
Bei geeigneten chairside CAD/CAM-Verfahren kann das möglich sein.
Die KZBV beschreibt beispielsweise computergestützte Keramikinlays, die nach digitaler Erfassung direkt in der Praxis gefertigt werden können.
Dadurch können klassischer Abdruck und provisorische Zwischenversorgung in geeigneten Fällen entfallen.
Ist ein Scanner hygienischer?
Intraoralscanner benötigen selbstverständlich ebenfalls ein konsequentes Hygienekonzept.
Je nach System werden beispielsweise Einmalhüllen oder aufbereitbare Scanneraufsätze verwendet.
„Digital“ bedeutet also nicht automatisch „ohne Hygieneaufwand“.
Kann ich einen Intraoralscan verlangen?
Patienten können nach einer digitalen Abformung fragen.
Ob sie im konkreten Fall medizinisch geeignet ist und ob die Praxis überhaupt einen entsprechenden Scanner besitzt, entscheidet sich individuell.
Ein gesetzlicher Anspruch darauf, dass jede Behandlung zwingend mit einem bestimmten digitalen Gerät erfolgt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Kostet ein digitaler Zahnabdruck extra?
Das hängt vom Behandlungskontext ab.
Ein digitaler Workflow kann Bestandteil einer ohnehin privat berechneten Behandlung sein.
In anderen Fällen können bestimmte digitale Leistungen gesondert in eine private Kostenplanung einfließen.
Deshalb sollte vor umfangreichem Zahnersatz gefragt werden:
„Ist der Scan bereits in den genannten Gesamtkosten enthalten?“
Ist digitaler Zahnersatz automatisch teurer?
Nein.
Digitale Technik kann einzelne Arbeitsschritte sogar vereinfachen.
Gleichzeitig muss die Praxis erheblich in:
- Scanner,
- Software,
- IT-Infrastruktur und
- Schulung
investieren.
Aus dem Wort „digital“ lässt sich deshalb kein zuverlässiger Preis ableiten.
SDK: gestufter Schutz für digitalen Zahnersatz
Für die Erstattung ist typischerweise nicht entscheidend, ob die Krone nach einem klassischen Abdruck oder einem Intraoralscan angefertigt wurde.
Entscheidend ist der versicherte Leistungsbereich.
Die SDK bietet aktuell Zahn 50, Zahn 70, Zahn 90 und Zahn 100 mit entsprechend gestuften Leistungen für Zahnersatz und Zahnbehandlung.
uniVersa: moderne Behandlungsmethoden ausdrücklich berücksichtigt
uniVersa ist hier ebenfalls ein passendes Beispiel.
Der Versicherer erklärt für uni-dent|Top, dass schulmedizinisch überwiegend anerkannte neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im tariflichen Umfang berücksichtigt werden.
Als Beispiel für moderne Zahnmedizin nennt uniVersa ausdrücklich unter anderem das CEREC-Verfahren.
Was sollte ich vor einem digitalen Scan fragen?
- Warum wird der Scan eingesetzt?
- Welche Versorgung wird daraus hergestellt?
- Ist das Verfahren in meinem Fall genauso geeignet wie ein klassischer Abdruck?
- Entstehen zusätzliche private Kosten?
- Was passiert mit den digitalen Daten?
Praxisfall 1: starker Würgereiz
Hier kann ein Intraoralscanner einen erheblichen Komfortgewinn darstellen.
Praxisfall 2: einzelne Keramikkrone
Das ist eine klassische Anwendung, bei der ein digitaler Workflow sehr attraktiv sein kann.
Praxisfall 3: vollständig zahnloser Kiefer
Jetzt kann die digitale Erfassung deutlich anspruchsvoller werden.
Die optimale Methode sollte anhand des konkreten prothetischen Falls gewählt werden.
Praxisfall 4: komplette Implantatbrücke
Je größer und komplexer eine Implantatversorgung wird, desto wichtiger ist die genaue Prüfung des eingesetzten digitalen Workflows.
FAQ: Intraoralscanner
Was ist ein Intraoralscanner?
Er erfasst die Zahn- und Mundsituation optisch und erzeugt daraus ein digitales dreidimensionales Modell.
Ist ein digitaler Abdruck genauer als Abdruckmasse?
Das hängt von der konkreten Anwendung ab. Bei vielen kleineren und zahnbegrenzten Versorgungen sind digitale Verfahren gut etabliert; große oder komplexe Situationen können höhere Anforderungen stellen.
Ist der Intraoralscan angenehmer?
Viele Patienten empfinden ihn als angenehmer, insbesondere bei ausgeprägtem Würgereiz. Die neue Leitlinie hebt die Patientenakzeptanz als wichtigen Vorteil hervor.
Kann damit eine Krone hergestellt werden?
Ja. Der digitale Datensatz kann direkt für die CAD/CAM-Konstruktion von Kronen, Inlays und anderem Zahnersatz verwendet werden.
Kostet der digitale Scan extra?
Das hängt vom Behandlungskontext und der Abrechnung ab. Bei privaten Behandlungen sollten mögliche Zusatzkosten vorab geklärt werden.
Fazit: Der digitale Abdruck ist mehr als ein technisches Spielzeug
Der Intraoralscanner gehört inzwischen zu den relevanten Werkzeugen moderner Zahnmedizin.
Er kann die Behandlung für Patienten angenehmer machen und bildet die Grundlage vieler vollständig digitaler Arbeitsabläufe.
Aber auch hier gilt:
Die beste Technik ist nicht automatisch die neueste Technik, sondern diejenige, die für den jeweiligen Behandlungsfall zuverlässig funktioniert.
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