GOZ bei Zahnzusatzversicherungen: Warum 2,3-, 3,5-facher Satz und Honorargrenzen wichtig sind
Was bedeutet GOZ bei einer Zahnzusatzversicherung? Die Gebührenordnung für Zahnärzte – kurz GOZ – regelt die Abrechnung privatzahnärztlicher Leistungen. Für die Qualität einer Zahnzusatzversicherung ist sie enorm wichtig.
Ein Tarif kann mit 90 oder sogar 100 Prozent Erstattung werben. Wenn der Zahnarzt jedoch ein Honorar oberhalb der vom Tarif anerkannten Gebührenhöhe berechnet, kann trotzdem ein Eigenanteil entstehen.
Wer hochwertige Implantate, komplexe Zahnsanierungen oder Behandlungen bei spezialisierten Zahnärzten absichern möchte, sollte deshalb nicht nur auf den Erstattungssatz achten, sondern auch auf die GOZ-Regelung.
Kurzantwort: Was ist die GOZ?
Die GOZ ist die Gebührenordnung für Zahnärzte.
Sie enthält Gebührenpositionen für privatzahnärztliche Leistungen.
Für eine konkrete Behandlung wird ein sogenannter Steigerungsfaktor verwendet.
Dadurch kann das Honorar abhängig von Schwierigkeit, Zeitaufwand und Umständen der Behandlung variieren.
Was bedeutet der 2,3-fache GOZ-Satz?
Der 2,3-fache Faktor wird häufig als durchschnittlicher beziehungsweise regulärer Steigerungssatz bezeichnet.
Eine Leistung mit einem einfachen Gebührenwert von beispielsweise 100 Euro würde beim Faktor 2,3 vereinfacht 230 Euro kosten.
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Was bedeutet der 3,5-fache GOZ-Satz?
Bei überdurchschnittlich schwierigen oder zeitaufwendigen Leistungen kann ein höherer Faktor angesetzt werden.
Der 3,5-fache Satz stellt innerhalb des regulären Gebührenrahmens eine wichtige Obergrenze dar.
Bei unserem vereinfachten Beispiel von 100 Euro Grundwert wären das 350 Euro.
Kann ein Zahnarzt mehr als den 3,5-fachen Satz berechnen?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann zwischen Zahnarzt und Patient eine abweichende Honorarvereinbarung getroffen werden.
Dann können auch Gebühren oberhalb des 3,5-fachen Faktors entstehen.
Genau hier wird die Tarifqualität der Zahnzusatzversicherung besonders relevant.
Warum kann trotz 100-Prozent-Tarif ein Eigenanteil entstehen?
Angenommen, Ihr Zahntarif erstattet 100 Prozent, aber nur bis zum 3,5-fachen GOZ-Satz.
Ihr Zahnarzt berechnet aufgrund einer wirksamen Honorarvereinbarung eine bestimmte Leistung mit Faktor 4,5.
Dann kann der Teil oberhalb der tariflichen GOZ-Grenze beim Patienten verbleiben.
100 Prozent bedeutet auch hier: 100 Prozent innerhalb des vertraglich definierten erstattungsfähigen Rahmens.
Vereinfachtes Rechenbeispiel
Grundgebühr einer Leistung: 100 Euro.
Tarifliche Erstattungsgrenze: Faktor 3,5.
Maximal tariflich berücksichtigtes Honorar: 350 Euro.
Tatsächliche Honorarvereinbarung: Faktor 4,5 = 450 Euro.
Die Differenz beträgt 100 Euro.
Selbst bei einem nominellen 100-Prozent-Tarif könnte dieser Teil außerhalb des versicherten Gebührenrahmens liegen.
Warum verlangen Zahnärzte überhaupt höhere Faktoren?
Eine zahnmedizinische Behandlung kann unterschiedlich aufwendig sein.
Gründe für höhere Honorare können beispielsweise sein:
- überdurchschnittliche Schwierigkeit,
- besonders hoher Zeitaufwand,
- komplizierte anatomische Verhältnisse,
- anspruchsvolle Implantologie oder
- besondere Behandlungstechniken.
Ein höherer Faktor ist deshalb nicht automatisch ein Hinweis auf eine überhöhte Rechnung.
Wann ist eine GOZ-Regelung besonders wichtig?
Vor allem bei:
- Implantaten,
- Knochenaufbau,
- komplexer Endodontie,
- hochwertigem Zahnersatz,
- umfangreichen Rekonstruktionen und
- Behandlungen bei spezialisierten Privatpraxen.
Allianz MeinZahnschutz und GOZ
Bei den aktuellen Allianz MeinZahnschutz-Tarifen wird bis zu den Höchstsätzen der GOZ beziehungsweise GOÄ erstattet. Allianz nennt hierbei ausdrücklich den 3,5-fachen Satz.
Für viele normale und auch anspruchsvollere zahnmedizinische Behandlungen ist dieser Rahmen praxisnah.
Wer allerdings gezielt einen Zahnarzt nutzt, der mit Honorarvereinbarungen oberhalb dieses Rahmens arbeitet, sollte die mögliche Differenz vor der Behandlung berücksichtigen.
Ist eine Begrenzung auf 3,5 GOZ schlecht?
Nein, nicht pauschal.
Der 3,5-fache Gebührenrahmen deckt einen sehr großen Teil der normalen zahnärztlichen Versorgung ab.
Eine weitergehende Honorarregelung ist ein zusätzlicher Vorteil, wird aber nicht von jedem Versicherten jemals benötigt.
Deshalb muss auch hier das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachtet werden.
Wann kann eine Erstattung über 3,5 besonders wertvoll sein?
Vor allem bei Patienten, die bewusst:
- hoch spezialisierte Implantologen,
- Privatzahnärzte,
- komplexe chirurgische Verfahren oder
- besondere Spezialbehandlungen
nutzen möchten.
Hier kann eine großzügigere Gebührenregelung langfristig einen echten finanziellen Unterschied machen.
AXA Zahn Premium als Beispiel für einen großzügigeren Ansatz
Bei der Bewertung moderner Premiumtarife ist AXA Zahn Premium deshalb interessant.
Der Tarif verfolgt bei privatzahnärztlichen Honoraren einen weitergehenden Ansatz als Tarife, die ausschließlich auf den üblichen GOZ-Höchstsatz begrenzen.
Gerade für Verbraucher, denen eine möglichst große Freiheit bei der Wahl hochwertiger und spezialisierter Zahnmedizin wichtig ist, kann das ein relevantes Tarifhighlight darstellen.
Das bedeutet nicht, dass jede beliebige Rechnung ohne Prüfung übernommen wird. Medizinische Notwendigkeit, Versicherungsumfang und die übrigen Bedingungen bleiben selbstverständlich bestehen.
GOZ ist nicht dasselbe wie Material und Labor
Auch diese Unterscheidung ist wichtig.
Die GOZ betrifft primär das zahnärztliche Honorar.
Material- und Laborkosten können zusätzlich anfallen und nach eigenen tariflichen Regeln erstattet werden.
Ein Tarif kann deshalb eine hervorragende GOZ-Regelung besitzen und gleichzeitig ein Preisverzeichnis für Laborleistungen verwenden – oder umgekehrt.
Warum muss ich beides prüfen?
Bei einer Implantatversorgung können beispielsweise entstehen:
- 2.000 Euro Zahnarzthonorar,
- 1.500 Euro Material und Labor,
- 500 Euro weitere Kosten.
Eine Begrenzung beim Zahnarzthonorar und eine Begrenzung bei den Laborkosten können sich deshalb unabhängig voneinander auf die Erstattung auswirken.
Was bedeutet Analogberechnung?
Moderne Zahnmedizin entwickelt sich weiter, während die Gebührenordnung nicht jede neue Methode mit einer eigenen Gebührenposition abbildet.
Bestimmte selbstständige zahnmedizinische Leistungen können deshalb analog zu einer vergleichbaren GOZ-Leistung berechnet werden.
Auch hier sollte bei besonders hohen Rechnungen geprüft werden, wie der Versicherer mit der entsprechenden Position umgeht.
Was sollte ich vor einer teuren Behandlung tun?
Bei einer größeren Behandlung sollte der Heil- und Kostenplan beziehungsweise Kostenvoranschlag auch die privaten Gebührenpositionen und Faktoren enthalten.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt generell, sich vor Behandlungsbeginn einen schriftlichen Kostenvoranschlag mit den einzelnen Leistungen und Steigerungssätzen geben zu lassen.
Das ist gerade für Versicherte mit Zahnzusatzversicherung sinnvoll.
Praxisfall: Implantat mit Faktor 3,5
Liegt die komplette Behandlung innerhalb des tariflich anerkannten GOZ-Rahmens, entsteht aus der Gebührenregelung allein kein zusätzlicher Eigenanteil.
Dann entscheiden vor allem Erstattungssatz, Zahnstaffel, Material und Labor über die Versicherungsleistung.
Praxisfall: Spezialist verlangt Faktor 5,0
Jetzt sollte vor Behandlung geprüft werden, ob der Tarif die Honorarvereinbarung oberhalb von 3,5 berücksichtigt.
Ist das nicht der Fall, kann die Differenz trotz eines ansonsten hervorragenden Tarifs selbst zu tragen sein.
Ist ein Tarif über GOZ-Höchstsatz automatisch besser?
Leistungsseitig ist eine weitergehende Erstattung zunächst ein Vorteil.
Für die Gesamtbewertung müssen aber Beitrag und sämtliche anderen Tarifkriterien hinzugenommen werden.
Ein günstigerer Tarif mit Erstattung bis 3,5 GOZ kann für viele Verbraucher vollkommen ausreichend sein.
Wer maximale Freiheit bei Spezialistenbehandlungen möchte, kann dagegen bewusst eine großzügigere Lösung wählen.
Die wichtigsten GOZ-Fragen beim Tarifvergleich
- Bis zu welchem GOZ-Faktor leistet der Tarif?
- Werden wirksame Honorarvereinbarungen darüber hinaus berücksichtigt?
- Wie werden Analogpositionen behandelt?
- Welche Regelung gilt bei Privatbehandlern?
- Wie werden Material- und Laborkosten separat behandelt?
FAQ: GOZ und Zahnzusatzversicherung
Was bedeutet GOZ?
GOZ steht für Gebührenordnung für Zahnärzte. Sie bildet die Grundlage für die Berechnung vieler privatzahnärztlicher Leistungen.
Was bedeutet 2,3-facher GOZ-Satz?
Der Faktor 2,3 wird häufig für durchschnittlich schwierige beziehungsweise aufwendige Leistungen verwendet.
Was bedeutet 3,5-facher GOZ-Satz?
Der 3,5-fache Satz bildet eine wichtige Obergrenze innerhalb des regulären Gebührenrahmens.
Kann mein Zahnarzt mehr als Faktor 3,5 berechnen?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine abweichende Honorarvereinbarung geschlossen werden. Ob eine Zahnzusatzversicherung die Mehrkosten erstattet, hängt vom Tarif ab.
Zahlt ein 100-Prozent-Tarif automatisch Gebühren über 3,5?
Nein. Der Erstattungssatz und die maximal anerkannte Gebührenhöhe sind zwei unterschiedliche Tarifmerkmale.
Ist eine Erstattung über GOZ 3,5 wichtig?
Für normale Behandlungen nicht immer. Bei komplexer Zahnmedizin, spezialisierten Privatpraxen oder individuellen Honorarvereinbarungen kann sie jedoch relevant werden.
Fazit: Der GOZ-Faktor gehört zu den wichtigsten Details eines Premiumtarifs
90 oder 100 Prozent Zahnersatz sagen noch nicht vollständig aus, wie gut eine Zahnzusatzversicherung eine hochwertige Privatrechnung erstattet.
Entscheidend ist auch, bis zu welcher Gebührenhöhe der Versicherer das Zahnarzthonorar anerkennt.
Eine Begrenzung auf den 3,5-fachen GOZ-Satz ist für viele normale Behandlungen ausreichend. Bei Spezialisten, komplexer Implantologie und Honorarvereinbarungen oberhalb dieses Rahmens kann eine großzügigere Tarifregelung jedoch wertvoll sein.
Für einen echten Leistungsvergleich sollten deshalb immer Erstattungssatz, GOZ, Zahnstaffel sowie Material- und Laborkosten gemeinsam betrachtet werden.
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